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Posts Tagged ‘Judentum’

Ein Urteil eines Kölner Gerichts ließ eine Woge an Islamfeindlichkeit und Antisemitismus durch die Kommentarbereiche der Presse rollen. Ganz nebenbei stellten dort ein Berufsrichter und zwei Schöffen fest, dass die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen entgegen der jahrzehntelangen Praxis doch trotz Einwilligung der Eltern eine rechtswidrige, strafbare Körperverletzung sei. Das Urteil  wurde aufgrund der Konstellation und des vom Gericht attestierten Verbotsirrtums rechtskräftig – also kein Instanzenzug, aber auch keine Bindung für andere Verfahren. Ein Schwebezustand entstand.

Unzählige Artikel für und wider wurden geschrieben. Jeder Religionsfeind hatte ausgiebig Gelegenheit, sein Mütchen zu kühlen.

Jüdische und Muslimische Verbände und Menschen zeigten sich entsetzt. Etliche Ärzte übten sich im vorauseilenden Gehorsam und sagten alle Termine ab.

In Israel versuchte der deutsche Botschafter zu beruhigen. Man werde eine Lösung finden. (Was machten eigentlich die deutschen Botschafter in, sagen wir mal, der Türkei, Ägypten, Tunesien, Marokko?)

Die ersten Anzeigen gegen Eltern wurden verfasst.

Die Rabbinerkonferenz wurde mehr als deutlich.

„Dieses Urteil sei der schwerste Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland seit dem Holocaust. Das würde einen „kompletten Wandel“ der deutschen Nachkriegspolitik bedeuten. Dabei habe sich Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg verpflichtet, die jüdischen Gemeinden wieder aufzubauen. Sollte das Urteil aber Bestand haben, „sehe ich für die Juden in Deutschland keine Zukunft“, so Goldschmidt.

Das Urteil sei Teil einer Folge von Angriffen auf religiöse Minderheiten in Europa, sagte Goldschmidt nach einer Sitzung von rund 40 europäischen Rabbinern. Dazu gehörten die Einschränkungen für den Minarettbau in der Schweiz, das Burkaverbot in Frankreich sowie das Schächtverbot in den Niederlanden.

Langsam reagierten auch die Politiker. Zuerst die Grünen, die sich für eine Straffreiheit aussprachen, nun auch der Rest und die Regierung, die eine entsprechende Regelung ankündigen.

Damit könnte ja alles gut werden. Wirklich?

Bei mir hinterlassen diese letzten Wochen wieder einen sehr bitteren Nachgeschmack. Die Kommentarstränge auf den verschiedensten Websites laufen über vor allgemeinem Religionshass, Verachtung religiöser Menschen, Antisemitismus und Islamhass. Es herrscht bei den nicht-rechten ein Kulturchauvinismus sondersgleichen.

Und die versprochene Hilfe der deutschen Politik? Die lässt für mich eine Frage offen: was wäre, wenn das Judentum von der Frage nicht betroffen gewesen wäre? Würde da nicht noch viel lauter nach Anpassung geschrien als ohnehin schon? Würde da eine Sonderregelung angedacht werden? Oder ist diese, wie etliches andere, entgegen den Befindlichkeiten deutscher Mehrheiten mal wieder nur dem kollektiven schlechten Gewissen geschuldet?

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